Denunziert und dem Henker überliefert
Adam Leis - ein Widerstandskämpfer aus dem Gutleutviertel

















Adam Leis
Gedenktafel Esslinger Str. 8
(Foto: ISG Wolfgang Faust)




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Erinnerung an die
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Index



















Adam Leis



















Am 17. September 1942 verkündeten rote Plakate an den Litfaßsäulen in Frankfurt die Hinrichtung von sieben Frankfurter Widerstandskämpfern, Funktionären und Mitgliedern der Kommunistischen Partei: Anton Breitinger, Edmund German, Otto Häuslein, Wilhelm Hugo, Adam Leis und Julius Nees aus Frankfurt und Wilhelm Klöppinger aus Wiesbaden.
Einer von ihnen war Adam Leis, der im Gutleutviertel von Mitte der l930er Jahre bis 1942 in der Eßlinger Straße 8 wohnte und illegale Organisation seiner Partei im Bahnhofsviertel leitete. Heute befindet sich an dem Haus, dem jetzigen ,,Hotel Merkur", seit dem 18.September 1995 eine bronzene Gedenktafel.
Adam Leis war schon vor 1933 Funktionär der Kommunistischen Partei in Frankfurt und der Roten Hilfe, deren Leitung er übernehmen sollte. Wichtigster Treffpunkt und Anlaufpunkt für diese Gruppe war die Leihbücherei am Hauptbahnhof, die dem evangelischen Pfarrer Erwin Eckert gehörte. Erwin Eckert, der nach dem Ersten Weltkrieg in Mannheim als Stadtpfarrer tätig gewesen war hatte 1919 dort den Bund Religiöser Sozialisten gegründet. Als er 1931 in die Kommunistische Partei eintrat, verlor er seine Pfarrstelle. 1933 zog er nach Frankfurt und fand gleich Kontakt zu den Mitgliedern der Roten Hilfe.
Adam Leis arbeitete in der Illegalität weiter gegen den Faschismus und setzte seine Tätigkeit auch nach seiner Entlassung aus der ersten Haft im Oktober 1934 fort. Seine Aufgabe bestand darin, die zerschlagenen Stadtteilgruppen der KPD wieder aufzubauen. Im April 1935 wurde er erneut verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Nach seiner Rückkehr nahm er die illegale Arbeit erneut auf. Er fand Kontakt zu Otto  Häuslein, der als Soldat in Frankreich im Einsatz gewesen war und den er aus der politischen Arbeit vor der Illegalität kannte. Im Frankfurter Bahnhofsviertel traf sich Adam Leis mit KPD-Mitgliedern in Gastwirtschaften. Bei diesen als Skatrunden getarnten Treffen wurde Schulungsunterricht gehalten. Otto Häuslein hatte marxistische Literatur vor dem Zugriff der Gestapo verbergen können, die nun als Unterrichtsstoff diente. Auch die Nachrichten von Radio Moskau wurden diskutiert und ausgewertet. Im Jahre 1939 referierte z.B. Adam Leis über die Haltung der Sowjetunion und ihre Beweggründe zum Abschluß des Nichtangriffspaktes mit Hitler in dieser Schulungsrunde.
Im Krieg wurde Leis in der Druckerei Osterried in der Frankenallee dienstverpflichtet. Im gleichen Betrieb arbeitete auch der KPD-Funktionär Karl Rauleder der wie Anton Breitinger im Stadtteil Bornheim wohnte und Zusammenkünfte mit Mitgliedern seiner Partei aus Frankfurter Betrieben organisierte. Adam Leis und Anton Breitinger kannten sich aus der gemeinsamen Arbeit als KPD-Funktionäre aus der Zeit vor 1933. Durch Vermittlung von Karl Rauleder wurde ein illegales Zusammentreffen zwischen ihnen organisiert. Am Pfingstmontag 1941 diskutierten Adam Leis und Anton Breitinger die politische Situation und beschlossen, die illegale Arbeit gemeinsam fortzuführen. Zur Aufnahme dieser geplanten Zusammenarbeit und zum weiteren Ausbau der illegalen Organisation der Kommunistischen Partei in Frankfurt kam es nicht mehr. Die Gestapo, beunruhigt über die Vorgänge im Bahnpostamt 19 und in anderen Betrieben, hatte einen Spitzel in die Organisation eingeschleust, der die Namen der Mitglieder an die Gestapo verriet. Acht Mitglieder, darunter Adam Leis,  wurden im Sommer 1941 verhaftet und in Prozessen am 24., 25. und 26. Juni 1942 unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Volksgerichtshofes Dr. Engert zum Tode verurteilt. Der Drucker Ochs nahm sich im Gefängnis das Leben, die anderen wurden, wie Verbrecher gefesselt, am Morgen des 17. September 1942 hingerichtet. Ihre Schuld war, dass sie sich im Postamt 19, wo sie beschäftigt waren, heimlich darüber unterhalten hatten, dass ein deutscher Sieg nicht mehr zu erwarten sei und ihrem Unmut über das nationalsozialistische Regime mitunter im kleinen Kreis Luft gemacht und sich in ihrem sozialistischen Zukunftsglauben bestärkt hatten.
Es wurde ihnen nicht gestattet, sich von ihren Angehörigen zu verabschieden. Ihre Leichen wurden dem Anatomischen Institut Gießen übergeben. Eine Grabstätte ist nach Angaben der Friedhofsverwaltung Gießen nicht bekannt. In einem Schreiben an Frau Breitinger vom 20. Mai 1949 heißt es dazu: ,,Leichenreste, welche nach erfolgten Studienzwecken von dem Anatomischen Institut abgegeben werden, kommen sodann in dem hiesigen Krematorium zur Einäscherung. Da es sich bei den vorliegenden Verbrennungen um verschiedene und unzählige Restteile handelt, bei denen niemals irgendwelche Namen genannt sind, werden dieselben hier nur verbrannt und die restliche Asche sodann der Friedhofserde übergeben, für welche eine Grabstätte jedoch nicht vorhanden ist."
Anita Leis, die Witwe von Adam Leis erstattete bei der Oberstaatsanwaltschaft Wuppertal gegen den Vertreter des Oberreichsanwalts, Staatsanwalt Dr. Bruchhaus, der 1941 das Todesurteil gegen die 7 Hingerichteten gefordert hatte und nach dem Krieg in Hochdahl bei Düsseldorf wohnte, am 10. Februar 1958 Strafanzeige gemäß $ 212 StgB wegen Totschlags. Der Oberstaatsanwalt Dr. Reuter teilte der Witwe am 30. Juli 1958 mit, dass er das Verfahren gegen Dr. Bruchhaus eingestellt habe.
Hermann-Josef Hake