Goethe in der Campagna
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein; genannt Goethe-Tischbein
1712 - 1778



Der Grindbrunnen
Stich von 1835





Gutleuthof mit Villa Gogel
Gemälde von 1820



Gutleuthof auf einem Gemälde
von 1806

Gedichte und Legenden um den Gutleuthof

Auf dem rechten Ufer des Mains, unterwärts etwa eine halbe Stunde vor dem Tor, quillt ein Schwefelbrunnen, sauber eingefasst und mit uralten Linden umgeben. Nicht weit davon entfernt steht der „Hof zu den guten Leuten“, ehmals ein um dieser Quelle willen erbautes Hospital. Auf den Gemeinde umher versammelte man zu einem gewissen Tage des Jahres die Rindviehherden aus der Nachbarschaft, und die Hirten samt ihren Mädchen feierten ein ländliches Fest, mit Tanz und Gesang, mit mancherlei Lust und Ungezogenheit. Auf der andren Seite der Stadt lag ein ähnlicher nur größerer Gemeindeplatz, gleichfalls durch einen Brunnen und noch durch schönere Linden geziert. Dorthin trieb man zu Pfingsten die Schafherden, und zur gleichen Zeit ließ man die armen verbleichten Waisenkinder aus ihren Mauern ins Freie: denn man sollte erst später auf den Gedanken geraten, daß man solche verlassenen Kreaturen, die sich einst durch die Welt durchzuhelfen genötigt sind, früh mit der Welt in Verbindung bringen, anstatt auf eine traurige Weise zu hegen, sie gleich zum Dienen und Dulden gewöhnen müsse, und alle Ursach habe, sie von Kindesbeinen an sowohl physisch als moralisch zu kräftigen. Die Ammen und Mägde, welche sich selbst immer gern allein einen Spaziergang bereiten, verfehlten nicht, von der frühesten Zeit, uns an dergleichen Orte zu tragen und zu führen, sodaß diese ländlichen Feste wohl mit zu den ersten Eindrücken gehören, deren ich mich erinnern kann.

Aus: Johann Wolfgang von Goethe, Aus Dichtung und Wahrheit, 1. Buch


Lage des Grindbrunnens zwischen
Stadtmauer und Gutleuthof
auf einer Karte ( Ausschnitt ) von 1792
1= Gutleuthof 2= Grindbrunnen
3 = Mayn-Fluß 4 Galgenthor

 

Grindbrunnen, bestand schon im 13. Jahrhundert und wurde das Haus der Aussätzigen (domus leprosum) in der Nähe, im Hof der guten Leute (Gutleuthof), wahrscheinlich wegen dieser Heilquelle, 1283 daselbst errichtet. 1835 geschah eine neue Fassung der Quelle durch die Polytechnische Gesellschaft; später wurde die unreinliche Brunnengrube zugeworfen, eine Pumpe errichtet und am 4. Mai 1873 die neue Trinkhalle errichtet.

Aus: Francofurtensia Aufzeichnungen zur Geschichte von Frankfurt am Main von Robert Sehrotzenberger, Frankfurt 1884, Seite 93

Gedichte und Legenden 2