Gutleuthof mit Villa Gogel





Gutleuthof Plan von 1867



Selbst Goethe wußte, dass  man am Gutleuthof gut spielen konnte
Zeichnung von 1827
(nicht von Goethe)




Arkarden
der Villa Gogel mit Blick auf
die Gutleuthöffer Kirche

Kurze Nachricht
von dem
am 26.ten April 1801
entstandenen fürchterlichen Brande
auf dem Hofe zu den Gutleuten,
eine halbe Stunde von Frankfurt am Mayn gelegen
beschrieben
von
einem Augenzeugen dieses großen Unglücks

Der schreckliche Brand, der seit vielen Jahren in und um Frankfurt zu sehen war, entstand am 26ten April 1801, in dem sogenannten Guten Leuten Hopf, ein Landgut mit einer Kirche, welches einem Löbl. Kasten-Amte zugehört, eine halbe Stunde von Frankfurt, ganz nahe am Mayn gelegen, mit 2 Thoren und einer 12 Schuh hohen Mauer umgeben. Es war ein Anblick des Schreckens und des Jammers.
Wir wollen hier denenjenigen, die keine Augenzeugen daran waren, und auch wegen denen vielerlei Erzehlungen doch nichts gewisses erfahren koennen, eine kurze Nachricht ertheilen, die niemand besser geben kann, als einer, der ein Augenzeuge des fürchterlichen Brandes gewesen.
Der Anfang und die Entstehung des Brandes geschah, nach Aussage der auf dem Guten Leut Hof allein zu Hause gewesenen Dienstboten, Nachmittags nach 2 Uhr mitten im Hofe, welcher durchaus mit Stroh und Mist belegt ist.
Eine Magd, die in dem Brennhaus Kohlen geholet, und über den Mist nach der Küche getragen hatte, ließ unversehens eine Kohle in den Stroh fallen, die auch gleich zuendete. Die Funken wurden  von dem starken Winde in die nachstehende Stroh-Scheuer getrieben, und in wenigen Minuten stand sie in vollen Flammen. Das Gesinde wusste sich in der großen Angst nicht zu rathen und zu helfen, und brachten einige alten Mobilien und Haushaltgeraet Schaften auf das Feld. Waehrend das Feuer so schrecklich ueberhand nahm, daß man das in Staellen befindliche Vieh nur zum Theil retten konnte; drei schoene Kuehe rissen sich los und arbeiteten sich durch den brennenden Mist durch, waren aber vom Feuer sehr beschaedigt. Um drei Uhr war die Scheuer schon beinahe ein Raub der Flammen und erst gegen vier Uhr, da schon das Wohnhaus und in Fruchtboden in Brand stand, kamen die Leute, die loeschen wollten, aber nicht konnten.
Dem vorderen Thore konnte man wegen der großen Hitze nicht hinein kommen, weil der Wind den Dampf und das Feuer im Hof herumtrieb, und der Strohmist im ganzen Hof in Brand war. Dahero konnte auch dem hinteren Thore niemand herein, weil nah vom Thore an bis zum Wohnhause der brennende Mist den Eingang und die Einfahrt verhinderte. Ein tobendes graeßliches Feuer, das durch den Wind immer rasender wurde, entstund nun und alle zu Huelfe herbeigeeilte Menschen konnten zum Loeschen des Feuers nicht das Mindeste beitragen.

Da stand nun jedermann mit Erstaunen und Entsetzen, und musste dem Unglueck zu sehen. Auch war die Anzahl der Anwesenden zu schwach, und Anfangs keine Loesch-Anstalt, um, nur einigermaßen gemeinschatlich etwas unternehmen zu koennen. Gegen 5 Uhr ergriff nun das Feuer auch den hinten nach dem Baumstueck zu neuerbauten großen Schoppen, alsdenn das Brennhaus, und endlich den ansehlichen Holzvorrath, so dass ein solches wuethendes und brausendes Feuer entstand, dass sich jedermann darueber entsetzen und dagen musste, dass menschliche Huelfe zu schwach sey, dem Feuer Widerstand zu leisten. Ein betraechtlicher Vorrath von Branntwein gerieth in den Brand und machte ein unausloeschliches Feuer, die ganze Nacht hindurch. Alle Anwesende mussten gestehen, dass sie in ihrem Leben kein so rasendes, graeßliches und schnelles Feuer gesehen haetten. Die einstuerzenden Daecher und Schornsteine, die in der Luft herumpratzelnde Ziegelsteine, das Sausen des Windes, das Bruellen des Feuers, das Wehklagen der Menschen, das Rufen um Huelfe, das Schreien des Viehes waren ein Gegenstand des Schreckens und des Jammers, der ueber alle Beschreibung geht. Niemand wird diesen Augenblick schildern koennen.

Gegen 6 Uhr Abend, da die Scheuern samt dem Wohnhaus und Stallungen in Asche lagen, versuchte man mit drei guten Spruetzen das an der Kirche nach dem Mayn gelegene kleine sogenannte Herrenhaus samt der Kirche zu retten, welches dann auch durch gute Loesch-Anstalt, und verstaerkte Hülfe gelungen ist, so, daß von allen in dem Gut Leut Hof gestandenen Gebaeuden nur diese zwei gerettet worden sind. Auch wurde noch etwas Frucht gerettet, welches aber gegen den großen Vorrath, welcher verbrannt ist, gar nicht in Vergleich gebracht werden kann. Abends um 8 Uhr lag also dieser schoene Hof mit allen seinen Neben Gebaeuden in der Asche.
Wie groß der durch dieses Unglueck entstandene Schaden sowohl fuer das Frankfurter Loeb.
Kasten-Amt, als auch fuer den Gutsbesitzer dieses Hofes seyn mag, laeßt sich leicht denken, da schon bekannt ist, wie betraechtlich das dazu gehoerige Guth – und folglich auch der liegende Vorrath von Heu, Stroh und Fruechten seyn musste.
Moechten wir doch alle nie wieder eine solche Schreckens Szene erleben! Moegte doch jedermann mit dem Feuer alle moegliche Vorsicht gebrauchen, und die schrecklichen Folgen, die man nur aus einer kleinen Unvorsichtigkeit und Nachlaessigkeit entspringen koennen, jederzeit bedenken! Moege doch jeder Hausherr seinem Gesinde dieses taeglich einschaerfen und denselben durch eigene Sorgfalt und Aufsicht mit gutem Exempel vorangehen, so wuerde so manches Unglueck, welches das Feuer ausrichtet, verhuetet werden koennen.

Die Schreibweise des Textes entspricht dem Original

Dieser Bericht wurde der Broschüre "Kurze Nachricht von dem am 26ten April 1801 entstandenen fürchterlichen Brande auf dem Hofe zu Gutleuten, ein halbe Stunde von Frankfurt am Mayn gelegen" erschienen
1801, ISG KS 2007/128, entnommen.

                                                                                                                                                 

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